Am 8. August 1938 trafen 300 deutsche und österreichische
Häftlinge aus dem KZ Dachau in Mauthausen ein. Hierbei handelte es sich
ausschließlich um "Befristete Vorbeugehäftlinge", die im Frühjahr und Sommer
1938 in einer Massenverhaftungsaktion von Kriminalpolizei und Geheimer
Staatspolizei (Gestapo) als sogenannte Kriminelle und Asoziale festgenommen
worden waren. Ende September 1939 stieg die Zahl der Inhaftierten in
Mauthausen auf über 2.500 an, als ein Teil der Häftlinge des KZ Dachau wegen
der vorübergehenden Schließung des Lagers nach Mauthausen überstellt wurde.
Im März 1940 lieferte die SS mehrere hundert polnische Insassen aus dem KZ
Buchenwald in Mauthausen ein. Ab Herbst 1941 folgte die Inhaftierung von
mehreren hundert Tschechen und republikanischen Spaniern, über 4.000
sowjetischen Kriegsgefangenen und etwa 2.000 jüdischen Häftlingen aus dem
"Protektorat Böhmen und Mähren", Holland und Ungarn.
Die Insassen des KZ Mauthausen arbeiteten zunächst beim
Lageraufbau sowie in den Mauthausener und Gusener Granitsteinbrüchen. Trotz
der wirtschaftlichen Ausnutzung der Arbeitskraft der KZ-Insassen stand ihre
Ermordung eindeutig im Vordergrund. In einem Erlaß vom 1. Januar 1941 von
Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamts (RSHA), war
Mauthausen als einziges Konzentrationslager "für schwerbelastete,
unverbesserliche und auch gleichzeitig kriminell vorbestrafte und asoziale,
das heißt kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge" in die Lagerstufe III
eingeteilt worden.
Ab 1942/43 wurden die KZ-Gefangenen aufgrund des
Arbeitskräftemangels vermehrt in der Kriegswirtschaft eingesetzt. So mußten
die Häftlinge an mehreren Orten große Stollenanlagen errichten, in denen die
Flugzeug- und Raketenproduktion unter der Erde fortgeführt werden sollte.
Des weiteren arbeiteten sie in Rüstungsbetrieben wie der Steyr-Daimler-Puch
AG, Messerschmitt und den "Reichswerken Hermann Göring" in Linz.
Über 5.000 kranke und geschwächte Insassen des KZ
Mauthausen wurden ab August 1941 im Rahmen der "Aktion 14 f 13" "selektiert"
und in der "Euthanasie"-Anstalt Hartheim umgebracht. Ab März 1942
existierten auch in Mauthausen und dem Nebenlager Gusen Gaskammern sowie ein
Gaswagen, in denen bis Ende April 1945 über 4.000 Menschen ermordet wurden.
Außerdem tötete die SS zahlreiche Häftlinge bei Massenerschießungen und
durch Herzinjektionen. In den Jahren 1943/44 führten Ärzte des
Hygieneinstituts der Waffen-SS Ernährungsversuche und Verträglichkeitstests
- beispielsweise Impfungen mit Typhus-Impfstoffen und Cholera-Keimen - an
den Häftlingen durch.
Im Zuge der "Evakuierung" der nördlich gelegenen
Konzentrationslager ab Frühjahr 1945 wurde Mauthausen ein zentrales
Auffanglager. Aufgrund der Überfüllung des Lagers wurden die
Lebensmittelrationen drastisch reduziert, Epidemien und ansteckende
Krankheiten brachen aus. Tausende kamen so noch in den letzten Kriegsmonaten
ums Leben. Trotz der Inbetriebnahme eines dritten Krematoriums in Mauthausen
überstieg die Anzahl der Toten die Einäscherungskapazitäten, so daß ein
Massengrab für 10.000 Leichen in einer benachbarten Gemeinde angelegt werde
mußte.
Mit dem Vormarsch der alliierten Truppen wurden die
Nebenlager des KZ Mauthausen Anfang April 1945 geräumt und die Häftlinge auf
einen "Todesmarsch" in Richtung Westen getrieben. Am 3. Mai 1945 verließen
die Angehörigen des SS-Kommandanturstabs und die SS-Wachmannschaften das
Stammlager und übergaben die Wache einer Wiener Feuerwehreinheit. Zwei Tage
später befreite eine amerikanische Panzerpatrouille das Hauptlager.
Zwischen 1938 und 1945 waren etwa 200.000 Menschen aus
über 20 Ländern in dem Konzentrationslager Mauthausen und seinen zahlreichen
Außenlagern inhaftiert. Ungefähr 100.000 Insassen wurden ermordet oder
starben an den Folgen der Haft. 1949 wurde auf dem ehemaligen Lagergelände
das "Öffentliche Denkmal und Museum Mauthausen" eingerichtet.